Crisis – Mike Oldfield

März 17, 2009

Es war spät am Abend, als ich die Mike Oldfield Platte herauskramte. Das dimme Licht schien kaum bis zum Plattenspieler; das Klacken des Apparates erfüllte den Raum mit Vorfreude.
„Crises“, eine multiinstrumentale Abhandlung aus Mike Oldfields Frühwerk. Mike Oldfield? Ja das war der mit „Moonlight Shadow“. Eben genau der, der dann da mit der zusammen das gesungen hat. Für die Bild-Leser unter uns.
Es zeigt sich ziemlich deutlich, woran es mangelt. Nicht an der Platte, diese ist eine Kakophonie diverser Melodien, die sich, kaum in symbolischer Struktur verwoben, schon wieder im Selbst verlieren und ausscheiden. Den roten Faden lässt dder Komponist allerdings nicht fallen, es ist ja auch gleichzeitig sein seidener!
Ich sitze auf dem Klavierstuhl und die Klangkulisse neigt sich dem finalen Moment zu. Es fühlt sich beinahe so an wie ein politischer Akt. Nachdenken und in Frage stellen, die Krise im Licht verschiedenster Wirkungszusammenhänge und Faktorenkonstellationen zu betrachten, emanzipiertes Denken also, das scheint in Deutschland ja gerade zur Krise nicht erwünscht. Will doch die Regierung und ihr konservatives Herz die Misslage mit EKG-Geldschüben retten, in der Hoffnung, das junge Deutschland steht danach auf und rennt wieder fröhlich die Umsatzberge hinauf. Und schnell soll es auch gehen, niemand soll in der Historie von einem längeren Krankenhausaufenthalt gewusst haben. Bisher scheint ihr Plan aufzugehen, die Kunst ihr freiwillig die Tür, der Journalismus hat längst die Jalousien heruntergelassen und gibt brav Ratschläge, mit Glückskeksen und Ablenkungstabletten. Und solange die Schriftsteller mit ihren edlen Bleistiften der Hochkonjunktur nacheiern und nachreden. Solange sich Enzensberger nur flapsig und Juli Zeh überhaupt dem Thema „Krise“ annähert, scheint die Gesellschaftsordnung der Republik Deutschland gesichert.
Als die Nadel den letzten Kreis fährt und abhebt, bin ich trauriger als zuvor. Wohl auch wegen Mike Oldfield.  Seine Musik ist fabelhaft und doch ertappe ich mich dabei, wie ich eine halbe Stunde später auf dem Weg zum Kiosk summe: „Carried away by the moonlight shadow…“

© AKOE

Westlich

Februar 23, 2009

[Auszug aus 'Westlich']

Einmal, wieder einmal wartete sie neben der Laterne. Und in den Momenten, in denen er noch nicht um die Ecke bog und ihr langsam die graue Allee entgegentrottete; in jenen Momenten hatte sie doch keine Angst, er könne nicht erscheinen. Sie ertappte sich dabei, wie sie das ein oder andere Mal sein Fernbleiben wünschte, nicht um die Unterhaltung auszusetzen, sondern schlicht um das Räderwerk ins Stocken zu bringen.
Behäbig stelzte sie von einem Bein auf das andere um nicht die Figur einer Wartenden zur Blöße zu geben. Bisweilen kramte sie ihr Handy aus der samt-roten Tasche und klappte es auf und wieder zu. Selten hatte sie jedoch das Gefühl von Nevosität, von angespannter Neugierde, was die Unterhaltungen und auch seine Person betraf. Im blassen Blau eines eisigen Wintertages wartete sie.

-Laufen Sie ein Stück mit mir? [obwohl er noch etwa 15 Meter von ihr entfernt war, sprach er mit ruhiger Stimme]
- Ja, kommen Sie, in die Richtung [sie zeigte jene Richtung, aus der er kam], es ist kalt heute, ich friere immer häufiger
- Ich habe einen dicken Mantel [sein Auge folgte stolz seinen Worten,doch ihr Blick galt der Gabelung der Straße, die vor ihnen lag]
- Kennen sie das Monasterium? [Ohne auf eine Antwort zu warten] So nennen meine Tochter und ich jenes Gebäude in der Drögerstraße, das zerfallene rote Backsteinhaus…
- Ja, ich kenne es, ich laufe jeden Morgen daran vorbei.
- Oh, wie ich wünschte, mein Weg würde jeden Morgen daran vorbeiführen, wie es dasteht, so mächtig und so ..zerfallen

[in diesem Augenblick konnte sie das Gebäude vor sich sehen, ein Steinwerk aus architektonischer Missgunst, ein Denkmal viereckiger Langeweile, mit zwei Fensterreihen, weißen Fensterläden zu vom Wetter verblassten Backsteinen, trauriger englischer Stil. Die zwei kleinen Fenster, die in die Dachschräge gelegt wurden, waren eingedrückt, und das Heu, welches zur Isolierung befestigt worden war, hing seitlich heraus. Der Dachvorsprung war vom Tauwetter gewaschen und rostige Schieferplatten bröselten in die Rinne.]

- Manche Leute werden ernst, wenn sie an diesem Haus vorbeilaufen, manche bleiben sogar stehen. Die Anwohner hassen dieses Haus, ich nenne es Kunst. [sie ignorierte seine Anstalten und sprach unbeirrt weiter] Deshalb, weil es Menschen bewegt, auf irgendeine Weise, sie sind nicht verzaubert oder beeindruckt, aber bewegt.
- Also sind alle alten zerfallenen Gebäude Kunst, herausragend die Ruinen alter Burgen..
- So meinte ich das nicht..
- Oder das zerbombte Dresden nach dem zweiten Weltkrieg, ein opus magnum, die Zerbombung selbst die Erschaffung eines Meisterwerks, eine leidenschaftliche Kunstorgie, fabriziert von bloßen Bomberpiloten der Royal Army? [er lacht laut los]
- Du gefällst dir in deinem Geschwalle [sie kam aber nicht umhin, auch zu schmunzeln], du schaust dir bestimmt gern die Nachrichten an, dir gefallen die Bilder kaputter Autos und kaputter Menschen [sie sprach das zweifache 'kaputt' so schnell aus, dass ihm das Bild eines körperlich kaputten Lego-Menschen in den Kopf kam, mit abgetrennten Körperhälften auf der Suche nach einem Arm]
- Nein, natürlich nicht. Ich meinte bloß, weil du das Haus hier..
- Sie haben.., Du hast nichts verstanden. Es ist nicht der Zustand des Hauses selbst, er trägt nur dazu bei. Siehst du die Gräser dort neben der Eingangstür, die ganz sacht im Wind wiegen?
- Schon.
- Sind sie nicht friedlich still! Es ist eine Stille um das Haus. Die Tür, die schon seit Jahren nicht ihr Inneres nach außen zeigen konnte, die goldigen Fenster, die trüb und blass jedem Wanderer nachtrauern, der nur kurz hier verweilte. Der Schornstein, er ist schon seit Jahren erstickt, seine Glut erloschen. Die ganze Szenerie schreit nach Liebe und sie frisst Einsamkeit, jeden Tag, in Form von Regen, Sturm und Hundekot. Aber siehst du nicht, wie stolz es sich nach Süden blickt, wie liebevoll es seine Ziegel bei sich hält und die Hunde nicht vertreibt. Es ist sein berechtigter Stolz, der er zur Kunst macht.

[Wortlos und eigentümlich war der Abschied, und doch schienen ihre Schritte leichter]

© AKOE

Kafkas Postmoderne

Februar 23, 2009

Es ist ein Beklemmen in der Welt, ein Schauer der Ungewissheit zieht über die Rücken derjenigen, die sich in Moralität und gesellschaftlicher Integrität wähnen. Wie Rettungsboote werden die Habseligkeiten nun an sich geschnürt, die finanzielle Toleranz weicht einem Skeptizismus, der nicht erst in den Köpfen entstehen musste. Er war lediglich betäubt durch aufgekommenes Bildschirmgeflacker der Spätneunziger. Aber jetzt, im Angesicht der Unmöglichkeit: Zahlungsströme zu berechnen, Kreditfäule nachzuvollziehen, Machtverschiebungen zu skizzieren. Jetzt! Erst jetzt wird wieder bemerkt, dass man doch nicht mehr ist als ein Staubkorn im Räderwerk des industrialisierten Kapitalismus!!

Jetzt werden wieder die Hände aufgehalten, mit scheinbarer Demut. Es ist jammerschade, dass sich die Gesellschaft trotz Säkularisierung nicht emanzipierter entwickelt hat, dass sie trotz Abwendung von Glaubensvorgaben eine moralische Instanz aufgebaut hat, dessen Träger einem kapitalistischen Wertesystem vertrauen, welches zweifellos und unverhohlen Einfluss nimmt auf Denk und Handlungsmuster der Menschen. Wobei es genau diese Muster sind, die offensichtlich in begründeter Weise fehlen.

Und es dauert nicht lange, da gräbt sich Kafka aus, lacht über Relativität, über Ahnungslosigkeit trotz Datenflut und über fehlende Handlungskompetenz derjenigen, die meinen, die Räder bewegen zu können. Er wird sich zurücklehnen, neben Zygmund Baumann im Schaukelstuhl des Positivismus wippen und eine Bild-Zeitung lesen.

Fijate!

Februar 23, 2009

Fijate! Fijate! Stell dir vor, es gäbe einen Bruch zwischen der gefühlten Vergangenheit und der erwarteten Zukunft. Es ist nicht dieser bitterliche kleine Wirklichkeitsverlust gemeint, in den man tritt, von der Zukunft planend in die Nostalgie gerauscht. Nein, ein Bruch. An dieser Stelle gebietet es sich, das Phänomen und die Auswirkungen eines Bruches zu erläutern. Ein reiner Bruch geschieht abrupt, oft unvorhergesehen, und erweist sich als Konseqzenz äußerer Krafteinwirkung. Der Plötzlichkeit des Moments folgt die Besonderheit der Konsequenz. Bricht etwas in zwei Teile, so wird aus einem Ganzen nicht bloß zwei gemacht, das ehemals in sich Ganze ist nun getrennt, so getrennt, dass keine Verbindung besteht. Was nun, wenn man den Bruch nicht auf ein medizinisch-physisches Phänomen reduziert, sondern als psychische Erscheinung, bezogen auf den Längsschnitt einer Biographie, ansieht. Sind die beiden Teile der psychischen Konsistenz einer Person vor und nach einem bruchartigen Geschehen noch als Ganzes zusammenzuführen, so wie man einen Knochenbruch schient und heilt? Sehe ich die junge Frau in ihrem Sommerkleid, flach auf dem Bauch liegend, dann verbleibt für mich nur die verneinende Antwort. Sie liegt von Blumen umgeben, grünes Gras säumt ihr Füße und die kargen Bäume ziehen ein Spinnennetz aus Schatten auf den Friedhof bei Spätmittag. Sie liegt, mit dem Gesicht zur Erde, am Grab ihres gefallenen Freundes. Er starb im Irak-Krieg, 2007.

Prague – Moskova – Berlin (At Wenzel’s Place)

Februar 23, 2009

Prague – Moskova – Berlin (At Wenzel’s PLace)

Let’s burn this house down
Lets’ burn this house down

Supposed, I’ve seen them all, come and go
How they rushed their troops to an fro
It’s picaresque to describe the political obscenity
of how they tried to defend a nation’s will
without the nation itself
and how execution was averted by teenagers

Let’s burn this house down
Let’s burn this house down

Supposed, I’ve heard the tolls before
of war and peace how they felt their
power will now cease.

You can’t tell me to be impressed by your shere presence,
you’re not going to change a thing, not with your tanks or your costumes,
not without showing me the soul of your supporters!

©AKOE


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